
Traditionen und Bräuche auf Malta
Im letzten halben Jahrhundert hat diese kleine mediterrane Insel, die nach der langen Zeit der Kolonialisierung und der Abhängigkeit noch in der Selbstfindungsphase ist, im Hinblick auf die Modernisierung viel erreicht. Ein großer Teil dieses Prozesses wurde in Rekordgeschwindigkeit absolviert, wie beispielsweise eine fortschrittliche Infrastruktur und hoch entwickelte Industrien, wie Finanzdienstleitungen, IT, etc. Auch wenn vieles hiervon Besucher überrascht, die das erste Mal auf der Insel sind, hat dieser Umschwung dennoch nicht die Kernelemente Maltas kultureller Identität in den Hintergrund gedrängt –
die Bräuche und Traditionen.
Die maltesischen Bräuche sind in der ländlichen Folklore und Religion stark verwurzelt und fest im Alltag integriert. Besonders deutlich wird dies während der Dorfpatronatsfeste. Die Ehrung des lokalen Schutzheiligen wurde bereits vor über fünf Jahrhunderten eingeführt, zur Zeit der Ritter von St. John, und wird noch heute mit farbenfroher Kakofonie und mediterraner Ausgelassenheit gefeiert. Die bekanntesten Feierlichkeiten sind St. Peter und St. Paul, oder Mnarja. Dieses Highlight des Kulturkalenders wird in den Waldgebieten von Buskett mit Tier- und Ernteprodukten (traditionell gegartes Kaninchen) und għana (der traditionellen Musik von Malta) gefeiert.
Das traditionelle Leben auf Malta beginnt schon früh. Ein Großteil der Kleinkinder wird römisch-katholisch getauft und diese Zeremonie wird selbstverständlich mit Familie, Freunden und natürlich mit vielen Speisen und Getränken gefeiert. Kurz darauf, in der Regel zum ersten Geburtstag des Kindes, praktizieren die Malteser einen eher unbekannten Brauch, den il-quċċija. Bei diesem Brauch krabbelt das Kind auf eine Reihe von Objekten zu und wird unter Zurufen von Familie und Freunden ermutigt, eines der Objekte auszuwählen. Dieser Tradition nach repräsentiert das gewählte Objekt die berufliche Zukunft des Kindes. Typische Objekte sind Rosenkränze, die für eine geistliche Ausbildung stehen, ein hart gekochtes Ei, das Wohlstand symbolisiert und weitere Objekte, die manchmal recht modern sind, wie zum Beispiel ein Taschenrechner, der eine Karriere im Finanzbereich vorhersagt.
Andere religiöse Sakramente werden mit gleicher Begeisterung gefeiert, wie die heilige Erstkommunion, bei der die Kinder in farbenprächtigen, engelsgleichen Kostümen gekleidet werden und zu deren Ehren natürlich im Anschluss an die Zeremonie ein Fest ausgerichtet wird. Dieser Feier folgt das Sakrament der Firmung, das ähnlich gefeiert wird.
Hochzeiten sind auf Malta besonders große und beliebte Anlässe und seit einiger Zeit gibt es auch Hochzeitsangebote für Touristen. Aber abgesehen davon sind maltesische Hochzeiten noch immer höchst lebendig und präsent. Auch wenn es im Laufe der Jahre einige Modifikationen gegeben hat, werden die grundlegenden Konzepte noch immer befolgt: Die Zeremonien werden immer in einer Kirche durchgeführt, während die anschließende Feier üblicherweise in Trauungssälen oder einem der vielen Gärten von Malta stattfindet. Braut und Bräutigam verteilen als Dankeschön und Erinnerung kleine Schmuckstücke oder Geschenke an ihre Gäste. Speisen und Getränke sind natürlich ein wesentlicher Aspekt der Feier und ganz besonders Süßspeisen. Auf den meisten maltesischen Hochzeiten wird perlini gereicht – eine sizilianische Spezialität aus mit Zucker überzogenen Mandeln.